Während deutsche Biotech-Unternehmen bei Investoren punkten konnten, war der Branchenumsatz rückläufig, zeigt der German Biotechnology Report 2025.
Der German Biotechnology Report 2025, den die Beratungsgesellschaft EY in Kooperation mit dem Branchenverband Bio Deutschland nun veröffentlicht hat, zeigt ein durchwachsenes Bild für die Branche. Positiv ist: Deutsche Biotech-Unternehmen konnten 2024 bei Investoren punkten. Insgesamt flossen 1,9 Milliarden Euro, ein Plus von 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rechnet man die Investitionen in Unternehmen, die während der Pandemie Impfstoffe entwickelten, heraus, stellt dieser Wert sogar einen Branchenrekord dar. Zudem floss auch mehr Venture Capital. Hier verzeichnet die Branche ein Plus von 68 Prozent auf 898 Millionen Euro.
Dann folgt jedoch schon das Allerdings. Denn zum einen war die Risikokapitalsumme im internationalen Vergleich eher gering. Die knapp 900 Millionen machen gerade einmal 0,02 Prozent des BIP aus. Zum Vergleich: In Großbritannien wurden 1,6 Milliarden Euro investiert, was immerhin 0,05 Prozent des BIP sind. Zum anderen fiel das erste Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich ab. 130 Millionen Euro an aufgenommenen Finanzierungen versus 591 Millionen Euro im ersten Quartal 2024 entsprechen einem Rückgang von 78 Prozent.
Klaus Ort, Partner bei EY und Leiter des Marktsegments Life Sciences & Gesundheitswesen, spricht sogar schon davon, dass es deutschen Biotechs aktuell schwerfalle, an frisches Geld zu kommen: „Investoren zeigen sich angesichts der derzeit schwer berechenbaren Entwicklungen in Bezug auf weltweite Wirtschaftsströme zurückhaltend, die allgemeine Unsicherheit droht zu einem massiven Einbruch bei der Biotech-Finanzierung zu führen.“ Bio Deutschland-Präsident Oliver Schacht hält es indes noch zu früh, um zu sagen, ob die Finanzierungen in 2024 ein einmaliges Ereignis waren oder die deutsche Biotech-Branche die Herausforderungen im Wettbewerb um Eigenkapital mit den starken Akteuren aus den USA, Asien und Europa doch noch erfolgreich meistern kann.
Branchenumsatz rückläufig
Was dagegen spricht: Der Gesamtumsatz der Branche war im vergangenen Jahr rückläufig. Ganze acht Prozent weniger standen in den Büchern und auch die Beschäftigtenzahl sank um fünf Prozent. Was dafür spricht: Trotz zahlreicher Herausforderungen sind die Pipelines deutscher Biotechs derzeit gut gefüllt, sogar besser als in den Vorjahren. Zwar zeigt der Report, dass es einen leichten Rückgang in der Phase 1 (55 klinische Studien, fünf weniger als im Jahr 2023) gab, dafür stieg die Zahl der klinischen Studien in Phase 2 (98 klinische Studien, sechs mehr als im Jahr 2023) und Phase 3 (21 Studien, vier mehr als im Jahr 2023) an.
Außerdem gab es im vergangenen Jahr mit Pentixapharm zum ersten Mal seit vier Jahren wieder einen Börsengang, was der Report wohlwollend wertet. Allerdings leigt Europa mit insgesamt vier IPOs in 2024 deutlich hinter den USA, wo im vergangenen Jahr 26 Biotechs den Gang aufs Parkett gewagt haben
Merger und Acquistions (M&A) gab es 2024 mit insgesamt zehn deutlich weniger als 2023 (22 M&A). „Der Rückgang der Transaktionszahlen unterstreicht die Herausforderungen, vor denen Unternehmen stehen, wenn es darum geht, M&A-Exits in Deutschland zu erreichen. Obwohl hochwertige Deals möglich sind, ist der Weg zu erfolgreichen Akquisitionen komplex“, bewertet EY-Partner Ort die Zahlen.
Abwärtstrend gestoppt: Frühphasenfinanzierung erholt sich
Hingegen zeigt der Report, dass sich die Frühphasenfinanzierung im Vergleich zu den Vorjahren nicht nur deutlich verbessert, sondern mit 420 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt hat. 2023 war Kapital in Höhe von 207 Millionen Euro von Biotech-Startups in der Frühphase eingesammelt worden, was den geringsten Wert der vergangenen sieben Jahre darstellte. 2024 wurden 25 Transaktionen mit einem durchschnittlichen Transaktionsvolumen von 16 Millionen Euro abgeschlossen. Besonders erfreulich: Der Wert der Seed-Investitionen verdreifachte sich im vergangenen Jahr auf 104 Millionen Euro, wobei 13 Beteiligungsunternehmen von diesem Kapitalzufluss profitierten.
Verbandschef Schacht wertet da Wiederaufleben der Seed-Finanzierung als Indiz für eine robuste Pipeline und innovative Ideen deutscher Biotechs: „Ob es wirklich schon ein Indikator für eine wachsende Bereitschaft der Investoren ist, aufstrebende Unternehmen zu unterstützen, die bereit sind, kritische medizinische und ökologische Bedürfnisse zu erfüllen, bleibt aber noch abzuwarten. Die neue Regierung muss jetzt definitiv handeln und die Verfügbarkeit von Venture Kapital hierzulande verbessern.“
Auch Ort wertet den Anstieg der VC-Finanzierungen in der Frühphase als ein positives Zeichen: „Gerade junge Unternehmen können, neben dem reinen Kapitalzufluss, enorm vom Netzwerk und der Expertise der Geldgeber profitieren. Allerdings steigen selbstverständlich auch die Erwartungen an die Ergebnisse der Jungunternehmen und damit der Druck, auch kurzfristig vorzeigbare Ergebnisse zu erzielen.“



