Biontech: Milliardenverlust und Ausstieg der Gründer

von | März 11, 2026

Anhoren

Teilen

 

Die Börse quittierte die Meldungen sofort: Neben dem Milliardenverlust für 2025 wollen sich auch die beiden Biontech-Gründer bis Ende 2026 aus dem Unternehmen zurückziehen – und neu gründen.

 

 

Man muss die Pressemitteilung schon zweimal lesen, um zu verstehen, dass die beiden Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci ihr Unternehmen bis Ende 2026 verlassen wollen. Es wird in den Formulierungen viel Wert auf Einvernehmlichkeit gelegt und betont, dass Biontech auch an den neuen Plänen des Ehepaares beteiligt sein wird. Das will nämlich neu gründen. Sahin und Türeci wollen sich wieder auf die Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis konzentrieren. „Özlem und ich wollen ein weiteres Mal als Pioniere neue Wege beschreiten. Schon immer war es unsere Vision, Wissenschaft in Fortschritte für Patientinnen und Patienten zu überführen. Jetzt bietet sich die Chance, die nächste Generation bahnbrechender Innovationen zu erschließen“, erklärt Sahin den Schritt.

Bei Biontech suche man nun nach passenden Nachfolgern für die beiden, um „einen reibungslosen Übergang und eine konsequente Umsetzung von Biontechs Strategie sicherzustellen“, heißt es in der Meldung. Außerdem betont man, dass Sahin und Türeci ihre Anteile an Biontech behalten werden und Biontech selbst plane, Rechte und mRNA-Technologien in das neue Unternehmen einbringen zu wollen.

Börse reagiert deutlich

An der Börse wurde die Nachricht nicht gut aufgefasst. Die Biontech-Aktie steht unter Druck und verlor rund 20 Prozent – auch, weil neben dem Abgang von Sahin und Türeci gleichzeitig die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025 kommuniziert wurden. Einem Umsatz in Höhe von 2,9 Milliarden Euro steht ein Nettoverlust in Höhe von 1,1 Milliarden Euro gegenüber. Zwar betont man in Mainz, dass die „starke Finanzposition“ weiterhin dazu beitrage, Risiken bei der Umsetzung der Strategie zu minimieren – es stehen laut Bilanz Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente plus liquide Wertpapieranlage in Höhe von 17,2 Milliarden Euro zur Verfügung – die Unsicherheit scheint für Investoren aktuell dennoch zu hoch zu sein.

2026 – ein wegweisendes Jahr

Und damit scheint vor allem „Nomen est Omen“ zu gelten. Denn Sahin kommentierte als CEO die Geschäftszahlen 2025 wie folgt „2026 wird ein wegweisendes Jahr für uns“. Er meint damit zahlreiche Datenveröffentlichungen, die geplant sind, die gut gefüllte Wirkstoffpipeline sowie einige Studien, die nun initiiert worden seien. Schließlich will Biontech bis 2030 ein „Unternehmen mit mehreren zugelassenen Produkten werden.“

Die Frage ist allerdings, wer Biontech nun zu diesem Ziel führt und ob vor allem auch die Aktionäre daran glauben, dass diese Person dieser Aufgabe gewachsen sein wird. Insofern liegt Sahin definitiv richtig: Es wird ein spannendes und sicherlich auch richtungsweisendes Jahr für das von ihm und seiner Frau gegründete Unternehmen.

Denn neben dem Führungswechsel ist heute schon klar, dass in 2026 die Umsätze von Biontech weiter rückläufig sein werden. Die Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen ist der Grund. In Mainz rechnet man mit Umsatzerlösen zwischen 2,0 und 2,3 Milliarden Euro. Noch einmal höher werden hingegen die adjustierten Forschungs- und Entwicklungskosten für 2026 mit 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro ausfallen (2025: 2,1 Milliarden Euro). Hinzu kommen Verwaltungs- und Vertriebskosten zwischen 700 und 800 Millionen Euro, sodass der Verlust unterm Strich also schon jetzt klar ist.

Das könnte Sie auch interessieren