Bessere Darmkrebsfrüherkennung dank KI

by | Mar 4, 2024

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Die Medizin setzt bei der Früherkennung von Darmkrebs vermehrt auf KI. Die Technologie erkennt Krebsvorstufen schneller und genauer als das menschliche Auge. Auch immer mehr Vorhersagen möglich. 

 

Immer mehr Studien belegen: Der Einsatz von KI kann die Entdeckungsrate von Darmkrebsvorstufen um bis zu 23 Prozent steigern. Auch deshalb finden immer mehr KI-Lösungen ihren Weg in den klinischen Alltag. Grundsätzlich gibt es aufgrund der präventive Darmspiegelungen zwar schon eine hohe Detektionsrate, dennoch kommt es immer wieder vor, dass sogenannte Polypen, ein Art Vorstadium der Erkrankung, bei konventionellen Verfahren übersehen werden. KI-Technologien ermöglichen es hingegen, die Darmschleimhaut während der Darmspiegelung in Echtzeit zu analysieren. Polypen können so schneller als mit dem menschlichen Auge identifiziert werden, woraus eine präzisere Diagnosen resultiert, womit dann wiederum gezielte Behandlungen eingeleitet werden können. 

Diese Art von KI-Assistenz kommt beispielsweise bereits in den Helios-Kliniken in Leipzig und Wiesbaden zum Einsatz. KI habe allerdings auch das Potenzial, in Zukunft Risikofaktoren oder auch Rückfälle vorhersagen zu können. Selbst Immunantworten auf den Tumor oder das Ansprechen auf eine Therapie könnte die KI vorhersagen. Daran arbeiten derzeit Gemeinschaftsprojekte von verschiedenen Wissenschaftlern an den deutschen Unikliniken. 1,5 Millionen Euro Förderung kommt dafür von der Deutschen Krebshilfe. 

KI profitiert vom Schwarmlernen 

Damit die KI in der Lage ist, solche Vorhersagen zu treffen, muss sie zuvor mit einer großen Menge an Patientendaten trainiert werden. Da strenge Datenschutzrichtlinien allerdings den Austausch solcher Daten verhindern, setzen die Wissenschaftler die Methode des „Schwarmlernens” ein. Dabei werden Patientendaten direkt an den jeweiligen Kliniken von einer KI ausgewertet. Nur die daraus resultierenden Ergebnisse, die keine Rückschlüsse auf personenbezogene Daten zulassen, werden daraufhin unter den Projektpartnern ausgetauscht und dafür verwendet, eine zentrale KI zu trainieren.

Heilungschancen stiegen durch Früherkennung

Wie entscheidend eine präzise Früherkennung sein kann, verdeutlichen die Zahlen zu Darmkrebserkrankungen in Deutschland: Mit jährlich rund 61.000 Neuerkrankungen ist Darmkrebs die dritthäufigste Krebsart bei Frauen und Männern. Jedes Jahr versterben deutschlandweit mehr als 24.000 Menschen an dessen Folgen. Die präventive Dickdarmspiegelung wird in Deutschland für Männer ab dem 50. und für Frauen ab dem 55. Lebensjahr empfohlen. Personen mit familiärer Vorbelastung sollten bereits ab dem 40. Lebensjahr untersucht werden. Durch regelmäßige Vorsorge und verbesserte KI-Technik lässt sich das Risiko deutlich senken. Krebsvorstufen die bisher oft über viele Jahre unbemerkt heranwachsen konnte, können mit der KI nun frühzeitiger diagnostiziert werden. 

Darmkrebsmonat März

Vorsorge und Früherkennung der Erkrankung, die weltweit Millionen von Menschen betrifft, stehen auch im Mittelpunkt des Darmkrebsmonats März, der in diesem Jahr zum 24. Mal stattfindet. Informationskampagnen und Aufklärungsinitiativen sollen das Bewusstsein für die Risikofaktoren schärfen und dazu beitragen Leben zu retten. Denn die Chancen auf Genesung bei frühzeitiger Diagnose stehen gut. Prof. Dr. med. Frank Kolligs, Chefarzt der Inneren Medizin und Gastroenterologie des Helios Darmkrebszentrums in Berlin-Buch betont: „Die Früherkennung funktioniert bei keiner anderen Krebsart so gut wie bei Darmkrebs. Je früher Darmkrebs erkannt wird, umso besser sind die Heilungschancen.“

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