Bebaute Umwelt schlecht für das Mikrobiom?

by | Apr 26, 2024

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Bestimmte Eigenschaften moderner Gebäude scheinen mehr oder weniger ausgeprägte Nachteile für die Gesundheit zu verursachen, zeigen internationale Forscher unter Beteiligung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

 

Es ist eine ganz neue Dimension der Mikrobiomforschung mit der Fragestellung, ob moderne Gebäude Einfluss auf die Mirkobenbesiedlung im Darm haben. Eine Gruppe international renommierter Wissenschaftler rund um das Forschungsprogramm „Humans and the Microbiome“ des Canadian Institute for Advanced Research (CIFAR) Toronto vertritt die Hypothese, dass moderne Gebäude – je nach Beschaffenheit und Grad der Abschirmung gegenüber der Umwelt – einen bedeutenden Einfluss auf die menschliche Mikrobenbesiedlung ausüben und dieser Aspekt künftig in der Architektur im Sinne von gesunden und mikrobiomfreundlichen baulichen Bedingungen berücksichtigt werden sollte.

Ihre Arbeit zu den Auswirkungen der bebauten Umwelt auf die menschliche Gesundheit veröffentlichten der Forscher, darunter Prof. Beatriz Colomina von der Columbia University, Prof. Brendan Bohannan von der University of Oregon, Prof. Margaret McFall-Ngai vom California Institute of Technology sowie Kiel Life Science-Sprecher Prof. Thomas Bosch von der Christian-Albrechts-Universität (CAU) heute in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).

Leben heute zu steril

„Gebäude als solche und der Siegeszug des urbanen Lebens haben auch negative Auswirkungen hervorgebracht, indem sie den Menschen mehr oder weniger stark vom Kontakt mit seiner mikrobiellen Umwelt abschirmen. Ihre vermutlich ungünstigen Folgen für die Zusammensetzung und Vielfalt des menschlichen Mikrobioms sind in ihrem Umfang bisher noch kaum abzuschätzen“, erklärt CIFAR-Fellow Bosch. „Unsere urbane Lebensweise ignoriert, dass der Körper sich im Laufe der Jahrtausende mit seiner Umwelt und seinen Mikroben bestens arrangiert hat und dass er nur als Ganzes fit und gesund ist.“

Was die Forscher mit ihrer Arbeit bieten wollen, ist eine innovative wissenschaftliche und angewandte Perspektiven für die Entwicklung einer künftigen, mikrobiomfreundlichen Architektur, die einen natürlichen und gesunden Kontakt des Menschen mit Mikroorganismen auch in der bebauten Umwelt wieder zulassen soll. Voraussetzung dafür sei es, dass man Gebäude künftig mit dem zusätzlichen Zweck einer dosierten und gelenkten Exposition des Menschen speziell mit Mikroorganismen entwickele – und sie nicht mehr wie bisher ausschließlich als Barriere zur Abwehr von Umwelteinflüssen verstehe.

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