Bayer: Vorerst keine Aufspaltung

by | Mar 5, 2024

Der Bayer-Vorstand auf der Financial News Conference in London /Quelle: Bayer AG

Anhoren

Teilen

 

Strukturelle Veränderungen seien zwar weiterhin eine Option, aber nicht zum jetzigen Zeitpunkt verkündet CEO Bill Anderson in London. Börse quittiert mit Fall der Aktie.

 

Aufatmen bei Bayer auf der heutigen Financial News Conference in London: Der Konzern hat seine angepasste Prognose für 2023 erreicht. Die Bilanz von CEO Bill Anderson: „Wir sind ein hocheffektives, missionsorientiertes Life-Science-Unternehmen mit drei starken Geschäftsbereichen, aber wir haben vier Herausforderungen, die dringend angegangen werden müssen.” Gemeint sind der Verlust von Exklusivrechten in der Pipeline bei Pharmaceuticals, der Rechtsstreit in den USA seit der Übernahme von Monsanto, die insgesamt hohe Verschuldung des Unternehmens und eine hierarchische Bürokratie, die den Fortschritt blockiert.

Im Jahr 2023 lag der Erlös von Bayer bei 47,6 Milliarden Euro (Prognose: 47,4 Milliarden Euro). Beim EBITDA vor Sondereinflüssen erreichten die Leverkusener 11,7 Milliarden Euro und damit ebenfalls mehr als von Analystenseite erwartet wurde (Schätzung: 11,0 Milliarden Euro). Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 6,39 Euro, was einem Verlust von 19,5 Prozent entspricht. Der Free Cashflow lag bei 1,311 Milliarden Euro, die Nettofinanzverschuldung steigt auf knapp 35 Milliarden Euro. Für 2024 prognostiziert man bei Bayer einen Umsatz in etwa auf Vorjahresniveau – währungs- und portfoliobereinigt. EBITDA vor Sondereinflüssen und das bereinigte Ergebnis je Aktie dürften sinken, heißt es aus London.

Geschäftsbereiche sollen gestärkt werden

Dem Wunsch einiger Investoren, den Konzern aufzuspalten, will der Vorstand vorerst nicht nachkommen. Strukturelle Veränderungen bleiben eine Option, vorher wolle man die Energie jedoch in den Aufbau einer starken Pharma-Pipeline, die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten, den Schuldenabbau und die weitere Umsetzung seines radikalen neuen Betriebsmodells Dynamic Shared Ownership (DSO) zur Verbesserung der Leistung richten, betont Anderson.

DSO wird Hierarchiestufen und Bürokratie abbauen, Strukturen verschlanken und die Entscheidungsfindung erheblich beschleunigen. Das Unternehmen wird sich voll und ganz auf Kunden und Produkte konzentrieren, wobei jeder einzelne Geschäftsbereich schlanker und effektiver als seine Konkurrenten sein wird, erklärte Anderson. Diese Schritte sollen ab 2026 jährlich zwei Milliarden Euro an Organisationskosten einsparen.

An der Börse war man nicht happy mit den Ankündigungen – vor allem nicht mit dem Ausblick für 2024. Die Bayer Aktie verlor im Tagesverlauf rund sechs Prozent. Es bleibt abzuwarten, ob der neue Fokus in den kommenden Wochen und Monate auch der Aktie wieder neuen Auftrieb geben kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Bosch schließt sich mit R-Biopharm zusammen

150 Millionen Euro wollen beide Unternehmen in die Molekulardiagnostik stecken – unter anderem in die Entwicklung neuer PCR-Tests für multiresistente gramnegative Backterien.

vdek veröffentlicht Basisdaten 2024

Zum 28. Mal veröffentlicht der Verband der Ersatzkassen die Basisdaten des Gesundheitswesens. Zentrale Erkenntnis: Die Leistungsausgaben sind seit Jahren im Aufwärtstrend.

Brexitnachwehen führen zu Medikamentenknappheit

Eine Studie des britischen Think-Tanks Nuffield Trust zeigt: Großbritannien und die Europäische Union haben immer häufiger mit Medikamentenengpässen zu kämpfen – eine Situation, die der Brexit deutlich verschärft hat.

Eine Studie des britischen Think-Tanks Nuffield Trust zeigt: Großbritannien und die Europäische Union haben immer häufiger mit Medikamentenengpässen zu kämpfen – eine Situation, die der Brexit deutlich verschärft hat.