Auf gutem Weg zu einer sektorübergreifenden Versorgung?

by | Sep 28, 2023

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In Deutschland schließen sich immer mehr Kliniken zusammen, um beispielsweise die IT zentral zu steuern. Wenn sich daraus regionale Versorgungszentren entwickeln, ist das ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft.

Es war eine kluge Überlegung, die man in Bayern im Mai dieses Jahres mit der Klinik IT Genossenschaft, Klinik IT eG, in die Tat umgesetzt hat. Anstatt dass sich jedes Krankenhaus im Freistaat eigenständig mit der Projektierung, Entwicklung und Beschaffung von IT-Lösungen – beispielsweise im Rahmen des KHZG – kümmert, steuert das die Klinik IT eG ab sofort für die beteiligten Häuser. Ein erstes Projekt soll die Realisierung und die Koordination des Betriebs des gemeinsamen Patientenportals „mein-krankenhaus.bayern“ sein, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Portal befinde sich aktuell durch die beteiligten Krankenhausträger, 16 Häuser sind Gründungsmitglieder der Klinik IT eG, im Vergabeverfahren. Zudem werde die Genossenschaft eine gemeinsame Digitalstrategie für die Krankenhäuser entwickeln.  

Und auch wenn der Vorstand der neuen Klinik IT eG betont, dass es jetzt „Ärmel hochkrempeln“ heiße – die Vernetzung mehrerer Kliniken kann maximal ein erster Schritt sein. Sollen solche Zusammenschlüsse in Zukunft wirklich die Qualität der Versorgung verbessern, müssen sie weiter, und zwar sektorübergreifend gedacht sein.  

Ähnlich gelagerte – und damit noch zu kurz gedachte – Projekte aus der Kliniklandschaft finden sich dieser Tage in ganz Deutschland. Beispiele sind die Zusammenarbeit zwischen Vivantes und der Charité in Berlin oder die vier Universitätskliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Schnittstellen zwischen den Standorten weiter auszubauen.  

Erste „echte“ regionale Versorgungszentren?

Etwas weiter geht man da in der Hansestadt Hamburg. Unter dem klangvollen Namen Hamburg Health Harbor Initiative, kurz H3 haben sich bereits im Frühjahr 2019 23 Krankenhäuser sowie weitere Akteure des Gesundheitssektors vernetzt. Dazu sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg: „H3 – Health Harbor Hamburg ist ein ambitioniertes Projekt. Ziel ist es ja, alle Akteure in Hamburg an einen Tisch zu bringen und bedarfsorientiert die digitalen Schnittstellen zwischen Krankenhäusern, niedergelassener Ärzteschaft und Krankenkassen zu schaffen.“ Regeln sollen das vor allem standardisierte Schnittstellen nach FHIR, was den Vorteil für die angebunden Akteure bringt, auch weiterhin systemunabhängig zu bleiben.  

Ähnliche Ansätze für ein erstes echtes regionales Versorgungszentrum kann man derzeit im Saarland beobachten. Dort soll zunächst ein zentral betriebenes, mandantenfähiges Patientenportal mit einer zentralen Interoperabilitätsplattform für Datenmanagement und innovative Anwendungen aufgebaut werden. Sukzessive soll daraus dann die regionale Versorgungsplattform, das virtuelle Krankenhaus des Saarlandes werden, die alle Leistungserbringer, die für die Patienten relevant sind, in einem System zusammenbringt. Projektleiter Lars von Ohlen sagt dazu: „Das virtuelle Krankenhaus des Saarlandes ist ein Leuchtturmprojekt, das eine digitale, zukunftssichere und qualitativ hochwertige Versorgungsstruktur im Saarland zum Ziel hat.“  

Die Notwendigkeit zum Aufbau solch starker regionaler Gesundheitsstrukturen wird sich mit in Krafttreten der Krankenhausreform noch einmal erhöhen. Schon jetzt ist die finanzielle Situation in vielen Häusern prekär, wie eine Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger Mitte Juli offengelegt hat. Demnach schreibt mehr als die Hälfte der 600 größten Krankenhäuser in Deutschland rote Zahlen. Bei den öffentlichen Krankenhäusern sind sogar fast zwei Drittel (63 Prozent) in der Verlustzone. Soll die Versorgung auch in Zukunft in der Fläche gewährleistet bleiben, kann das nur in enger Zusammenarbeit aller Beteiligten erfolgen. Der Aufbau einer starken, auf regionale Begebenheiten ausgerichteten Gesundheitsversorgung mit einer exzellenten Vernetzung und einem effizienten Datenaustausch ist also mehr als eine gute Idee.

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