Auch Chirurgen mit Klinikatlas unzufrieden

by | Jun 3, 2024

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Eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie unterstreicht die mangelnde Qualität des Bundes-Klinikatlas. Neue Version sollte mit Input der Fachgesellschaften nachgebessert werden.

 

Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e.V. (DGCH) wollte eine Woche nach Start des Bundes-Klinikatlas von ihren Mitgliedern wissen, wie die dessen Informationsqualität bewerten. Grundsätzlich sei der Atlas eine gute Idee, sagen 36 Prozent der Befragten, wenn denn die publizierten Ziele auch umgesetzt werden. Zu einem grundsätzlich positiven Votum kommen 58 Prozent der Befragten. 43 Prozent bewerten den Klinikatlas in seiner aktuellen Version jedoch als „schlecht“, „nicht praktikabel“ oder sogar „überflüssig“.

Noch deutlicher fiel die Kritik am Umgang mit den Daten aus: 84 Prozent finden, dass das Leistungsportfolio ihrer Klinik oder Abteilung „schlecht“ oder sogar „sehr schlecht” abgebildet sei. 73 Prozent gaben an, die zurzeit im Atlas angegebenen quantitativen Daten stimmten „sehr schlecht“ oder „schlecht“ mit den Qualitätsberichten ihrer Kliniken überein. 83 Prozent halten die Differenzierung zwischen diagnostischen und therapeutischen Leistungen für „sehr schlecht“ oder „schlecht“. Eine überwiegende Mehrheit von 90 Prozent bezweifelt, dass der Klinikatlas in der Lage ist, die angestrebte Patientensteuerung bei komplexen Leistungen zu liefern. Dieses Votum spiegele sich auch in den Freitext-Kommentaren wider: „Zahlen stimmen nicht“, „Zertifikate fehlen“, „Fachabteilungen sind nicht erwähnt“, „keine Qualitätsdaten abrufbar“, „unvollständig“, „irreführend für Patientinnen und Patienten“.

Bestenfalls Beta-Version

„Wir raten dazu, die aktuelle Fassung des Klinikatlas als Beta-Version zu bezeichnen und die Daten in enger Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften nachzubessern“, meint DGCH-Generalsekretär Professor Dr. med. Thomas Schmitz-Rixen. Und Professor Dr. med. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgie e.V (BDC), ergänzt: „Neben der Korrektur fehlerhafter Daten muss eine laienverständliche Sprache das Ziel der Fortentwicklung sein, wenn das Verzeichnis wirklich eine Hilfe für Patientinnen und Patienten darstellen soll.“

Insgesamt liegt die Zufriedenheit mit dem Atlas laut Umfrage auf einer Skala von bis zu optimal fünf Sternen bei 1,41. „Es gibt also ein hohes Maß an Unzufriedenheit“, bilanziert Dr. med. Peter Kalbe, Vizepräsident des BDC. „In der Konsequenz plädiert eine Mehrheit von 63 Prozent für eine sofortige Rücknahme aus dem Netz, verbunden mit einer Korrektur und Wiedereinstellung nach Beta-Testung durch Fachgesellschaften und Patientenvertreter“, ergänzt Meyer.

Konkret sollte nach Auffassung von DGCH und BDC eine sinnvolle Zusammenführung von Diagnosen und Therapie gefunden werden, von ICD-10- und OPS-Codes. Auch sei nicht zielführend, die Anzahl der Behandlungsfälle extra aufzuführen. „Es genügt, wenn diese Zahl als Qualitätsparameter in die Tachometerdarstellung einfließt“, meint Schmitz-Rixen. Auf die Angabe des Gesamtpflegepersonals eines Krankenhauses sollte ebenfalls verzichtet werden. „Eine solche Zahl ist nicht aussagekräftig, sie müsste sich auf einzelne Abteilungen beziehen, was die bisherige Datenerfassung nicht hergibt“, erläutert der DGCH-Generalsekretär.

Alles gut gemeint, aber…

Die erwähnten ICD-10 und OPS-Codes sind aktuell Basis für den Klinikatlas, vornehmlich aber zu Abrechnungszwecken und genauer Codierung nach exakter Diagnosestellung und Therapie entwickelt worden und deshalb ausgesprochen divers, betonen die Verbände. Diese Diversität könne von den Patienten und teilweise auch von den Hausärzten schlecht beurteilt werden – schon gar nicht um eine geeignete Einrichtung für einen stationären Aufenthalt zu wählen.

„Bisher ist alles gut gemeint, aber aufgrund noch fehlender Informationen für Suchende nicht sinnvoll benutzbar“, bilanziert Schmitz-Rixen. „Die Motivation der Kolleginnen und Kollegen, das Verzeichnis auf solide Füße zu stellen, ist jedenfalls hoch. Schließlich beurteilt die Mehrheit der Befragten die Einrichtung eines neutralen Klinikatlas als positiv.“

 

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