AU-Diskussion: Nicht die Erkältung belastet die GKV

von | Juli 7, 2026

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Eine Auswertung des BKK Dachverbands zeigt: Der Krankenstand in Deutschland ist 2025 fast unverändert. Was die Kassen finanziell belastet, ist der steigende Krankengeldbezug.

 

 

Von einem exorbitant gestiegenen Krankenstand sprach Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Pressekonferenz vergangene Woche, als er und die Koalitionsspitzen die neuen Reformpläne präsentiert haben. Eine Auswertung des BKK Dachverbands zeigt nun: Mit 6,1 Prozent blieb der Krankenstand 2025 fast unverändert zum Vorjahr. Im Schnitt war jedes beschäftigte Mitglied rund zweimal krankgeschrieben mit einer durchschnittlichen Fehldauer von 11,5 Tagen.

Das eigentliche Problem und damit die finanzielle Belastung für die gesetzlichen Krankenkassen liegt am gestiegenen Bezug von Krankengeld, rechnet der Dachverband vor. Denn von den insgesamt 22,1 Ausfalltagen je Beschäftigten im vergangenen Jahr entfielen 6,8 Tage auf den Bezug von Krankengeld. Das ist mehr als ein Viertel aller Fehltage.

Krankengeld Hauptausgabeposten der GKV

Laut Auswertung zeigt sich bei eben diesen langwierigen und schweren Erkrankungen ein beachtenswerter Trend: In den letzten zehn Jahren sind die Krankengeldtage um 24,4 Prozent gestiegen (2016: 5,4 KG-Tage je Beschäftigten). Dabei erreichten die Ausgaben 2025 laut Bundesgesundheitsministerium mit 21,6 Milliarden Euro einen neuen Höchstwert. Das Krankengeld zählt damit inzwischen zu den größten Ausgabepositionen der gesetzlichen Krankenversicherung überhaupt.

Und auch die zwei hauptverantwortlichen Krankheitsbilder hat der BKK Dachverband in seiner Analyse ausfindig gemacht: 2,2 Krankengeldtage je Beschäftigten gehen auf psychische Erkrankungen zurück, gefolgt von Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 1,7 Tagen. Zwar machen psychische Erkrankungen insgesamt „nur“ 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, doch wenn sie auftreten, dauern sie im Schnitt mehr als fünf Wochen – wobei die durchschnittliche Falldauer gegenüber dem Vorjahr sogar noch einmal gestiegen ist, von 38,2 auf 39,1 Tage.

„Die AU-Daten zeigen es: Es sind nicht die kurzen Erkältungen, die das Gesundheitssystem finanziell belasten. Es sind die langen, oft muskel-skelett und psychisch bedingten Ausfälle, die zum eigentlichen Kostentreiber werden“, sagt Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes. Dort beobachtet man den Trend der psychischen Belastungen in der Arbeitswelt schon lange und fordert deshalb eine ernsthafte Debatte über Präventionsstrategie bei psychischen Erkrankungen. „Diese Rechnung zahlen wir sonst noch viele Jahre weiter und hinter jeder steht das lange Leiden einer betroffenen Person”, attestiert Klemm.

Erkältung zwar häufig, aber nicht teuer

Die Zahlen zeigen auch, dass Atemwegserkrankungen mit 35,9 Prozent zwar weiterhin die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit sind, aufgrund ihrer kurzen Falldauer von 6,1 Tagen allerdings auch nur vergleichsweise wenig Ausfallzeit verusachen. Muskel-Skelett-Erkrankungen sind für 12,5 Prozent der Fälle, aber für mehr als ein Fünftel aller Fehltage verantwortlich. Zusammen mit den psychischen Erkrankungen gehen somit fast 58 Prozent aller Ausfalltage auf diese drei Diagnosegruppen zurück.

„Wir können diese Entwicklung, die zunehmend zu einer finanziellen Herausforderung der gesetzlichen Krankenversicherung wird, nicht ignorieren. Wir müssen das Gesundheitssystem viel stärker an Prävention ausrichten und die Gesundheitskompetenz konsequent fördern. Dafür müssen verschiedene politische Ressorts zusammenarbeiten – allen voran die Ressorts Bildung und Gesundheit“, ist Klemm überzeugt.

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