Arztzahlstatistik: Mehr Ärzte, weniger Zeit

von | März 12, 2026

Anhoren

Teilen

 

Die Arztzahlstatistik der Kassenärztliche Bundesvereinigung zeigt: Mediziner bevorzugen Angestelltenverhältnisse und Teilzeitstellen – eine Gefahr für die ambulante Versorgung?

 

Die gute Nachricht lautet: Die absolute Anzahl der Ärzte und Ärztinnen pro Kopf in der ambulanten Versorgung ist gestiegen. Insgesamt gab 2025 2.324 mehr Mediziner, rechnet die Kassenärztliche Bundesvereinigung KBV in ihrer aktuellen Arztzahlstatistik vor. Das entspricht einem Zuwachs von 1,2 Prozent. Es gibt allerdings auch zwei Aber: Zum einen fällt diese Steigerung im ärztlichen Bereich mit 0,7 Prozent deutlich geringer aus als in der Psychotherapie mit 3,7 Prozent. Und zweitens hätten die Medizinerinnen und Mediziner trotzdem deutlich weniger Zeit für die Patientenversorgung, weil immer mehr von ihnen eine Anstellung oder Teilzeitbeschäftigung bevorzugen würden.

Deshalb mahnt KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen auch einmal mehr, dass die ambulante Versorgung als tragende Säule des Gesundheitswesens NOCH gut dastehe. „Insgesamt stemmen die niedergelassenen Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten 97 Prozent der Versorgung. Und die überwiegende Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen arbeitet nach wie vor gern in der eigenen Niederlassung. Doch ebenso deutlich wird: Arztpraxen sind keine beliebig verfügbare Ressource.“ Damit die Versorgung in Deutschland erhalten bleibe, müsse die Politik unbedingt für attraktive Rahmenbedingungen sorgen, anstatt die Niedergelassenen mit unausgereiften Sparvorschlägen oder zusätzlichen Belastungen zu verschrecken.

KBV sieht Teilzeittrend

Sorge bereitet der KBV vor allem die dort als Trend identifizierte Teilzeitbeschäftigung. 2024 waren es noch knapp 124.000 Ärzte und Psychotherapeuten, die in einer eigenen Praxis tätig waren, 2025 hingegen schon knapp 1.000 weniger. Gleichzeitig sei die Zahl der angestellten Mediziner von rund 56.000 auf etwa 59.000 gestiegen. Und auch der vergleichsweise geringe Anstieg bei den Hausärztinnen und Hausärzten mit 0,6 Prozent sei besorgniserregend, weil die Zahl der vollen Sitze in der hausärztlichen Versorgung aufgrund von bevorzugten Teilzeitangeboten sogar nur um 0,1 Prozent gestiegen sei. Die KBV rechnet vor, dass schon heute etwa 5.000 Hausarztsitze deutschlandweit nicht besetzt seien.

Dazu sagt Gassen: „Die zur Verfügung stehende Arztzeit bleibt begrenzt – und viele junge Ärztinnen und Ärzte tendieren zur Anstellung oder Teilzeit. Diese Entwicklung muss ernstgenommen werden. Denn ohne die Praxen läuft in der Gesundheitsversorgung so gut wie nichts.

Und tatsächlich zeigen die Zahlen, dass Angestelltenverhältnisse und Teilzeitstellen deutlich an Attraktivität gewinnen. 2025 befanden sich knapp 60.000 Medizinerinnen und Mediziner in Anstellung und mehr als 70.000 in Teilzeit. Noch würden die Vollzeitbeschäftigung (98.447) zwar überwiegen, doch wenn sich der Trend der vergangenen zehn Jahre unverändert fortsetze, wäre ein Übergang zu einer mehrheitlichen Teilzeitbeschäftigung im Jahr 2039 erreicht.

Vorsicht Demografie

Hinzu kommt, dass in den kommenden 20 Jahren etwa 25.000 in Vollzeit tätige Ärztinnen und Ärzte die ambulante Versorgung verlassen werden. Um diese Kapazität auf Teilzeitbasis zu ersetzen, bräuchte es rund 50.000 Ärztinnen und Ärzte, rechnet man bei der KBV vor. Dabei spielt auch der demografische Wandel eine wichtige Rolle. 2025 lag das Durchschnittsalter der Ärzte in der ambulanten Versorgung bei 53,9 Jahren. Die „jüngste“ Fachgruppe stellen die Kinder- und Jugendpsychotherapeuten mit durchschnittlich 50,8 Jahren dar, wobei die Ärztlichen Psychotherapeuten im Schnitt 61,1 Jahre alt sind. Bei den Geschlechtern setzt sich ebenfalls die Tendenz der Vorjahre hin zu einer überwiegend weiblichen Verteilung fort: So lag der Gesamtanteil der Frauen 2025 bei mehr als der Hälfte (53,2 Prozent) – 2015 waren es noch 44,1 Prozent.

Das könnte Sie auch interessieren