Ärztetag: Beschluss für „menschliches Gesundheitswesen“

by | May 8, 2024

Anhoren

Teilen

 

Die Beschäftigten sind der Schlüssel für ein gleichermaßen menschliches wie leistungsfähiges Gesundheitswesen, heißt es Mainz. Der Gesetzgeber sei nun gefragt diesen wichtigen Aspekt in seinen Reformplänen auch entsprechend zu würdigen. 

 

Mehr Menschlichkeit und nicht nur Leistungsfähigkeit, die Bundesregierung müsse bei Reformen anders denken, lautet die zentrale Aussage eines Beschlusses, der gestern auf dem 128. Deutschen Ärztetag in Mainz gefasst wurde. Er ist damit auch eine Antwort auf die Nachwuchsprobleme, die Bundesgesundheitsminister Lauterbach in seiner gestrigen Rede in Mainz angesprochen hat.

„Die Nachwuchsförderung, die Fortentwicklung aller Bereiche des Gesundheitswesens und die Ausgestaltung der beruflichen Rahmenbedingungen müssen sich gleichermaßen an dem Versorgungsbedarf der Patientinnen und Patienten, wie auch an den Erfordernissen derjenigen ausrichten, die in unserem Gesundheitswesen tätig sind”, forderten die Abgeordneten in Mainz. Zeit für Zuwendung, leistungsgerechte Bezahlung, am tatsächlichen Behandlungsbedarf ausgerichtete Strukturen sowie die Förderung des ärztlichen Nachwuchses seien grundlegend für die Sicherung der medizinischen Versorgung in einer Gesellschaft des langen Lebens.

Arbeitsbelastung zu hoch

Der 128. Deutsche Ärztetag 2024 fordert konkret, dass sich das Vertrauen und die Wertschätzung der Menschen auch in einer wertschätzenden Gesundheitspolitik widerspiegeln. Die zuletzt immer mehr werdenden Proteste aus den verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens würden die Tiefe Unzufriedenheit über die heutigen Rahmen- und Arbeitsbedingungen in den Heilberufen zeigen. Rückenwind bekommt die Aussage zudem durch eine gestern veröffentlichte Studie, die auch noch einmal unterstreicht, wie hoch die psychische Belastung insbesondere in der Pflege ist.

„Attraktive Arbeitsbedingungen, Zeit für Zuwendung statt Medizin im Minutentakt, Patientenorientierung statt Kommerzialisierung und echte Entlastung von unnötiger Bürokratie sind für die Zukunftsfähigkeit des deutschen Gesundheitswesens elementar“, heißt es im Beschluss. Aufgabe und Verantwortung der Politik sei es, die Gesundheitspolitik gemeinsam mit den Akteuren aus dem Gesundheitswesen in diesem Sinne neu auszurichten.

Auch eine engere Verzahnung von ambulantem und stationärem Sektor halten die Delegierten auf dem Kongress für unabdingbar: „Bei geplanten Reformen im stationären Sektor müssen immer auch die Erfordernisse des ambulanten Sektors berücksichtigt werden. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die vorgesehene Förderung der Ambulantisierung von bisher stationär erbrachten Leistungen. Unter anderem sind die Rahmenbedingungen für die Ambulantisierung fair zu gestalten und die notwendigen Strukturanpassungen für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte wie für Krankenhäuser angemessen zu refinanzieren.“

Das könnte Sie auch interessieren

Klinik-Atlas: Kritik an Bürokratie

Vor allem von der Bundesärztekammer und der Deutschen Krankenhausgesellschaft kommt deutliche Kritik am heute vorgestellten Klinik-Atlas. Für Lauterbach ist er wichtiges Element einer Qualitätsoffensive. 

Vor allem von der Bundesärztekammer und der Deutschen Krankenhausgesellschaft kommt deutliche Kritik am heute vorgestellten Klinik-Atlas. Für Lauterbach ist er wichtiges Element einer Qualitätsoffensive. 

Ambulantisierung als Chance für Kliniken

Planungsunsicherheit für Kliniken ist weiterhin elementar – zahlreiche Gesetzesänderungen wurden durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) angekündigt. Eine Sache ist aber definitiv klar: Das Sozialgesetzbuch definiert in §39 SGB V „ambulant vor stationär.“ Seit Jahren ist dieser wichtige Aspekt bekannt und dennoch findet die Umsetzung in Kliniken nur wenig Begeisterung, attestiert Gastautor Arne Westphal.

Planungsunsicherheit für Kliniken ist weiterhin elementar – zahlreiche Gesetzesänderungen wurden durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) angekündigt. Eine Sache ist aber definitiv klar: Das Sozialgesetzbuch definiert in §39 SGB V „ambulant vor stationär.“ Seit Jahren ist dieser wichtige Aspekt bekannt und dennoch findet die Umsetzung in Kliniken nur wenig Begeisterung, attestiert Gastautor Arne Westphal.