Ärztekammern fordern Politik und Pharmaindustrie zum Handeln auf

by | Jan 29, 2024

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Lieferengpässe bei Arzneimitteln treffen Patienten und Ärzte gleichermaßen. Deshalb rufen die Ärztekammern in Deutschland und Österreich die Europäische Union sowie die Industrie zu gemeinsamen Aktionen auf.

 

Arzneimittel sind nach wie vor knapp. Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gibt es aktuell bei 502 Medikamenten gemeldete Lieferengpässe. Das hänge zum einen mit einer erhöhten Nachfrage aber eben auch mit unzureichenden Produktionskapazitäten und Problemen bei der Herstellung zusammen. Besonders Arzneimittel für Kinder und Medikamente mit den Wirkstoffen Paracetamol und Ibuprofen sind in vielen Apotheken nicht zu bekommen. Auch die Versorgung von Krebspatienten sei betroffen.

Deshalb fordern die Bundesärztekammer und die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) nun gemeinsam die Europäische Union, die EU-Staaten sowie die Pharmazeutische Industrie auf, endlich entschieden und konzertiert gegen Arzneimittellieferengpässe vorzugehen.

Im Nachgang gemeinsamer Beratungen von Vertreterinnen und Vertretern der Ärzteschaft aus Deutschland und Österreich erklärte die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, Dr. Ellen Lundershausen: „Unter den aktuellen Lieferengpässen leiden Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzte und alle anderen mit der Arzneimittelversorgung befassten Berufsgruppen in den europäischen Staaten gleichermaßen. Krankenkassen und Hersteller müssen deshalb neben den Preisen auch Aspekte wie die Sicherung der Lieferfähigkeit stärker in den Blick nehmen.“

Mehr Produktionsstandorte für Europa

Dazu gehöre auch die Frage nach einer ausreichenden Zahl von Produktionsstandorten in Europa, betont Lundershausen. Denn fast 70 Prozent der Produktionsstätten für Wirkstoffe, die für den Markt in Deutschland und andere europäische Länder bestimmt sind, liegen in Asien. Das bedroht deshalb die Versorgungssicherheit hierzulande, weil bei Qualitätsmängeln oder Lieferproblemen ausreichend Ausweichmöglichkeiten fehlen. „Europa sollte in der Lage sein, einen größeren Teil seines Bedarfs selbst zu decken. Die Rahmenbedingungen für eine Diversifizierung von Lieferketten, für die Produktion in Europa und für eine ausreichende Vorratshaltung müssen nachhaltig verbessert werden”, ist Lundershausen überzeugt.

Für die Österreichische Ärztekammer ergänzt Vizepräsident Harald Mayer und Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte: „Die Verantwortung für die Medikamentenversorgung liegt eindeutig bei der Politik. Sie muss endlich handeln! Dazu gehört die Bereitschaft zu Investitionen in die europäische Produktion von versorgungsrelevanten Arzneimitteln.“ Europa müsse bei der Medikamentenversorgung endlich autonom und unabhängig von anderen Märkten werden. Ärzte seien tagtäglich mit den Folgen der Lieferengpässe konfrontiert und es könne nicht deren Aufgabe sein, politisches Versagen zu erklären.

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