Für den erschrecken Anstieg an Keuchhustenfällen in Österreich seien die großen Impflücken verantwortlich. Die Ärztekammer fordert deshalb kostenlose Impfungen.
14-mal so viele Keuchhustenfälle wie im gesamten Jahr 2023 wurden laut Epidemologischem Meldesystem alleine in Wien bis zum 13. August gemeldet. Und das sei ein erschreckender Anstieg, betont Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen und der Wiener Ärztekammer, der auch in der restlichen Alpenrepublik zu verzeichnen sei. Aus seiner Sicht sind die großen Impflücken dafür verantwortlich, weshalb die Ärztekammer nun „zum wiederholten Mal“ fordert, die notwendige Auffrischung der Vierfach-Impfung gegen Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung und Keuchhusten endlich kostenlos anzubieten. „Zudem müssen die Verantwortlichen mehr Bewusstsein für den enormen Stellenwert der Impfung schaffen, denn eine hohe Durchimpfungsrate würde der Bevölkerung sehr viel Leid ersparen. Das ist ein lauter Weckruf von uns Ärztinnen und Ärzten an die Politik, denn der Erkältungs-Herbst steht bevor und neben Corona, Influenza und RSV werden auch die steigenden Keuchhustenfälle unser Gesundheitssystem massiv belasten“, appelliert Steinhart.
Unterstützung bekommt er von Naghme Kamaleyan-Schmied, erste Vizepräsidentin und Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte in der Ärztekammer Wien. Die aktuelle Situation sei besorgniserregend und auch in der täglichen Arbeit spürbar. „In meiner Ordination in Floridsdorf habe ich seit Jahresbeginn bereits sieben bestätigte Fälle registriert, in den vergangenen 14 Jahren keinen einzigen. Auch Kolleginnen und Kollegen zeichnen ein ähnliches Bild. Die Verantwortlichen müssen daher rasch handeln.“
Neben der kostenlosen Auffrischungsimpfung brauche es zudem eine zeitnahe und kostenlose Diagnostik, um schnell mit der geeigneten Therapie beginnen zu können. Diese können die Ansteckungszeit je nach Antibiotikum auf fünf bis sieben Tage verkürzen, sind die Mediziner überzeugt. Dafür wären dringend kostenlose Testungen, auch auf Influenza, RSV und Corona, notwendig, da sich die Symptome sehr oft ähneln. „Es bleibt nicht mehr viel Zeit, um die notwendigen Schritte zu setzen und die Bevölkerung gut durch die Erkältungssaison zu bringen“, warnt die Allgemeinmedizinerin.


