In einem Artikel auf Euronews betonen elf europäische Gesundheitsminister den Stellenwert der Arzneimittelsicherheit für ein stabile Europa – ein Appell für den Critical Medcines Act, der diese Woche veröffentlicht werden soll.
Europa kann es sich nicht länger leisten, die Arzneimittelsicherheit als zweitrangiges Thema zu behandeln – das ist die zentrale Aussage eines Artikels auf Euronews, den die elf europäischen Gesundheitsminister aus den Niederlanden, Tschechien, Griechenland, Litauen, Spanien, Deutschland, Portugal, Estland, Litauen, Slowenien und Zypern verfasst haben. Ihre Sorge: Die Abhängigkeit von kritischen Medikamenten wird zur Achillesferse der europäischen Sicherheit. Denn vor dem Hintergrund der zunehmenden geopolitischen Spannungen könne die Globalisierung bedrohliche Nebeneffekte haben.
Als Beispiel nennen die elf Minister die Lieferkette für Antibiotika, die inmitten eines eskalierenden Effekts unterbrochen werden könne. Dass dies nicht weit hergeholt ist, unterstreicht der Fakt, dass zwischen 80 und 90 Prozent aller Antibiotika weltweit in Asien, alle voran China, hergestellt werden.
Abhängigkeiten als Sicherheitsrisiko
Überhaupt sei Europa heute bei 60 bis 80 Prozent seiner Arzneimittelversorgung von Asien abhängig, wofür der Preisdruck durch billige Generika sowie die höheren Arbeits- und Umweltkosten verantwortlich seien. Und diese Verlagerung habe Europa angreifbar gemacht, was die anhaltende Arzneimittelengpässe und teilweise fragile Lieferketten unterstreichen würden.
Die elf Minister machen mit ihrem Artikel vor allem Werbung für den Critical Medicines Act, der im Mai 2023 angestoßen wurde und dessen Gesetzentwurf nun diese Woche veröffentlich werden soll.
Die Sorge der Minister: Die veränderte Sicherheitslage könnte auch die Prioritäten der europäischen Politik verlagert haben. Ihr Appell: Sicherheitsparadigmen sollten unbedingt auch Gesundheitssysteme und Arzneimittel umfassen. Dazu schreiben sie in ihrem Artikel: „Mehrere Arzneimittel, darunter Antibiotika, Anästhetika und Thrombolytika, sind nicht nur für die zivile Gesundheitsversorgung, sondern auch für militärische und Notfallszenarien von entscheidender Bedeutung.“
Critical Medicines Act als Teil der Sicherheitspolitik
Vor diesem Hintergrund sei es unerlässlich, dass die EU das Gesetz in den umfassenderen europäischen Sicherheitsrahmen integriert, ähnlich wie der Defence Production Act der Vereinigten Staaten die pharmazeutischen Lieferketten als nationales Sicherheitsproblem einstuft.
Die Europäische Kommission müsse ihre Bemühungen um eine Kartierung und Bewertung der Schwachstellen innerhalb der Lieferketten von strategisch wichtigen Arzneimitteln beschleunigen. Werden Schwachstellen festgestellt, muss Europa in der Lage sein, entschlossen zu handeln und die einheimische Produktion so weit wie möglich hochzufahren, heißt es in dem Euronews-Beitrag.
Arzneimittel Verteidigungsausgaben?
Das Gesetz über kritische Arzneimittel müsse ein solides Instrument sein. Ein Teil seiner Finanzierung sollte daher in die umfassenderen EU-Verteidigungsausgabenpläne eingebettet werden, einschließlich der Finanzmechanismen im neuen Verteidigungspaket. Denn ohne lebenswichtige Medikamente ist die Verteidigungsfähigkeit Europas gefährdet.
„Es bedarf eines koordinierten europäischen Ansatzes, der auf Transparenz, Zusammenarbeit und Solidarität beruht, um sicherzustellen, dass unentbehrliche Arzneimittel zur Verfügung stehen, wenn und wo sie benötigt werden“, fasst die Gesundheitsminister zusammen.



