Apothekerstreik in Frankreich geplant

by | Apr 23, 2024

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Es ist eine Reaktion auf die sich stetig zuspitzenden Medikamentenknappheit in Europa: Französische Gewerkschaft ruft Apotheken Ende Mai zu Streik auf.

 

Immer häufiger kommt es europaweit zu Engpässen bei Medikamenten. Den Apothekern in Frankreich reicht es jetzt. Ihre Gewerkschaft, die Union de syndicats de pharmaciens d’officine (Uspo), ruft alle Apotheken im Land zu einem Streik auf. Ziel der Gewerkschaft ist es, dass am 30. Mai alle Apotheken geschlossen bleiben. Die Apotheker im Bereitschaftsdienst sollen das Pfingstwochenende vom 18 bis einschließlich 20. Mai zum Arbeitskampf nutzen. Gleichzeitig werden Unterschriften von Patienten gesammelt, die die Aktion unterstützen sollen.

Uspo-Präsident Pierre-Olivier Variot verteidigte beim französischen Radiosender France Info den Streik wie folgt: „Der Medikamentenmangel bedeutet für eine durchschnittliche Apotheke, dass sie etwa zwölf Stunden pro Woche mit die Suche nach Medikamenten oder Alternativen verbringt.“ Hinzu kämen laut Gewerkschaft noch die mit der Inflation gestiegenen Löhne, die sich wiederum nicht in den Preisen widerspiegeln würde. Viele Apotheken im Land müssten deshalb aus finanziellen Gründen schließen. „80 Prozent unserer Tätigkeit hängt von den Medikamentenpreisen und den Gebühren ab, die beide vom Staat festgelegt werden”, sagt Variot. In Frankreich sind die Lohnkosten in Apotheken seit 2021 durchschnittlich um 18 Prozent gestiegen.

EMA will Verfügbarkeit von Medikamenten verbessern

Bei der europäischen Arzneimittelaufsicht EMA ist man sich der Herausforderungen bewusst, die die hohe Anzahl an Lieferengpässen bei Medikamenten nach sich zieht. Erst am Freitag hat die Lenkungsgruppe für Arzneimittelknappheit (Medicine Shortages Steering Group, MSSG) Empfehlungen veröffentlicht, die die Verfügbarkeit und Versorgung mit jenen kritischen Arzneimitteln erleichtern sollen, für die Schwachstellen in der Lieferkette festgestellt wurden. Dazu zählen höhere Produktionskapazitäten, eine breite Diversifikation bei Lieferanten und Produktionsorten oder Prognosetools, um Angebot und Nachfrage von Medikamenten besser auszubalancieren und somit die Bestände über die gesamte Lieferkette überwachen zu können.

Auch eine Vorratslagerung auf EU-Ebene sei denkbar, um Angebots- und Nachfrageschwankungen auszugleichen. Im Juni sollen dann konkrete Leitlinien und Vorgaben vorgelegt werden, um der Arzneimittelknappheit entgegenzuwirken. Das Timing des Streiks in Frankreich könnte also durchaus strategisch gewählt worden sein.

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