Spätestens mit Einführung des E-Rezepts geraten die stationären Apotheken im Land zunehmend unter Druck. Nun will auch noch die Drogeriekette dm ins Medikamentengeschäft einsteigen.
Angekündigt hatte es Christoph Werner, Chef der Drogeriekette dm, schon eine Weile: Er will den Apotheken Konkurrenz machen. In einem Gastbeitrag im Tagesspiegel im Februar dieses Jahres schrieb er bereits: „Wofür es heute den ausgebildeten Apotheker braucht, kann künftig automatisiert werden.“ Und in einem Interview mit den Badischen Neusten Nachrichten Anfang Dezember sagte er selbstbewusst: „Ich treue uns beim Thema Gesundheit gute Ideen zu.“ Damit meint er etwa Drogerien mit integrierten Apotheken nach amerikanischem oder britischem Vorbild.
Und genau hier macht dm nun Nägel mit Köpfen. Wie das Handelsblatt berichtet, sollen Kunden künftig zunächst rezeptfreie Medikamente wie Schmerzmittel online bei der Kette kaufen können. Für diese dm-Online-Apotheke hätten die Karlsruher nun die Voraussetzungen geschaffen und seien mit Herstellern und Lieferanten im Gespräch, bestätigte Sebastian Bayer, Geschäftsführer für Marketing und Kommunikation. Dafür wurde eine neue Gesellschaft in Tschechien gegründet. Rezeptpflichtige Medikamente gehören vorerst nicht zum Plan.
Marktpotenzial vorhanden
Grundsätzlich haben gerade Versandapotheken durchaus Potenzial – gerade auch mit OTC-Produkten. Die Schweizer Versandapotheke Docmorris hat im ersten Halbjahr 2024 alleine in Deutschland mit OTC-Produkten 441,56 Millionen Euro umgesetzt. Und auch Mitbewerber Redcare Pharmacy konnten seinen Non-Rx-Umsatz im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreswert um 21 Prozent auf 390 Millionen Euro steigern. Potenziell winkt für dm also ein Millionenmarkt, wenn der Einstieg gelingt, mit dem Experten bereits im Sommer rechnen.
Andererseits stehen die von Werner genannten „amerikanischen und britischen Vorbilder“ derzeit ziemlich unter Druck. Wie die Redaktion der HealthCareTimes vor etwa einer Woche berichtete, versucht Walgreens Boots Alliance schon seit Jahren einen Käufer für ihren Geschäft in Großbritannien zu finden und steht auch in den USA aufgrund einer schwachen Verbrauchernachfrage unter Druck. Ein Private Equity Deal mit anschließendem Börsen-Delisting soll es dort retten.
Gesundheit gehört zur Drogerie
Letztendlich hat dm im OTC-Geschäft jedoch bereits Erfahrung, bietet in den stationären Läden zahlreiche Nahrungsergänzungs- oder Erkältungsprodukte an. Und auch der Umsatz der Kette kann sich im Geschäftsjahr 2023/2024 zum Stichtag 30. September 2024 sehen lassen. dm-Deutschland erwirtschaftete einen Umsatz von 12,47 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Und auch das Europageschäft – hier ist dm in Polen, Österreich, Italien und zehn südosteuropäischen Ländern aktiv – ist das Umsatzwachstum mit 11,6 Prozent auf 17,74 Milliarden Euro beachtlich.
Die Erweiterung um eine Online-Apotheke dürfte damit finanziell auf sicheren Füßen stehen und auch der strategische Schritt wurde von Werner lange kommunikativ vorbereitet. Wenn dann auch noch eine neue Bundesregierung die aktuell im Raum stehenden Ideen des amtierenden Bundesgesundheitsministers – Stichwort Apotheke ohne Apotheker – weiter forciert, dürfte der Start der dm-Online-Apotheke im kommenden Jahr ein idealer Zeitpunkt werden.



