Apfelblüten für die Pharmaindustrie

von | Nov. 8, 2024

Anhoren

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Forscher der Freie Universität Bozen haben durch Fermentation von Apfelblüten Extrakte mit antimykotischer und antioxidativer Wirkung gewinnen können. Das könnte vor allem für die Pharmaindustrie interessant sein.

Hier bekommt Nachhaltigkeit eine neue Bedeutung: Damit Äpfel in der Landwirtschaft nicht zu klein ausfallen, werden die Blüten ausgedünnt, also entfernt. In der Apfelproduktionskette werden nur sieben Prozent der Blüten zur Reife gebracht. Der Rest ist ein Abfallprodukt. Das wollten die beiden Forscher Stefano Tonini und Ali Tlais Alabiden, Mitglieder der von Prof. Raffaella Di Cagno koordinierten Forschungsgruppe Micro4Food der Freien Universität Bozen, so nicht hinnehmen. Ihr Ziel: die entfernten Blüten nutzen und mittels Fermentation als Quelle für funktionelle Moleküle aufwerten.

Für ihre Suche haben die Wissenschaftler nicht fermentierte Blüten mit Proben verglichen, die unterschiedlichen Arten von Fermentation unterzogen wurden. Einer spontanen Fermentation, bei der – ähnlich der Fermentation von Sauerkraut – bereits auf den Blüten vorhandene Mikroorganismen genutzt werden und zwei kontrollierten Fermentationen. Dafür wurden einerseits fructophile Bakterien und anderseits Hefen genutzt, die aus Äpfeln gewonnen wurden. Nach der Gärung gewannen die Forscher aus jeder Probe einen Extrakt, den sie auf seine antimykotischen und antioxidativen Eigenschaften testeten.

Die fermentierten Proben, insbesondere jene aus den kontrollierten Fermentationen, waren deutlich besser in der Lage, das Wachstum von Pilzen zu hemmen und wiesen eine markant höhere antioxidative Aktivität auf als der Extrakt aus der nicht fermentierten Probe. Darüber hinaus konnte in den fermentierten Proben eine hohe Anzahl bioaktiver Peptide nachgewiesen werden.

„Wir konnten nach der Fermentation ganze 1.797 neue Peptide identifizieren – eine sehr hohe Zahl“, freut sich der Leiter der Studie Stefano Tonini. „Diese kurzen Aminosäureketten wurden noch nie zuvor untersucht und müssen charakterisiert werden, um zu verstehen, welche von ihnen eine antimykotische und antioxidative Wirkung haben.“ Dieses Ergebnis eröffne neue Perspektiven und biete Möglichkeiten für die Entwicklung innovativer Anwendungen, ist Tonini überzeugt. Dabei denkt er vor allem an die Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie.

Im Bereich Lebensmittel können die aus Blüten gewonnenen Extrakte in Kombination mit anderen natürlichen Verbindungen mikrobiellen Ursprungs verwendet werden, um die Haltbarkeit einiger Produkte zu verlängern. In diese Richtung gibt es bereits einige Projekte der Forschungsgruppe. Die Kosmetikindustrie hingegen kann auf die starke antioxidative und antimykotische Wirkung der in den Extrakten enthaltenen Peptide zählen und mit Apfelblüten eine natürliche und kostengünstige Alternative für solche Inhaltsstoffe finden. Die hohe Zahl und Vielfalt an Peptiden, die durch die Fermentation der Blüten entstehen, deuten auf eine komplementäre Wirkung hin, was die Stabilität und Wirksamkeit kosmetischer Produkte erhöhen kann.

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