Zu häufig und häufig auch falsch eingesetzt – eine aktuelle Studie der University of Washington zeigt, dass Antibiotikaresistenzen weltweit zu einem ernsten Problem werden.
39 Millionen Tote bis 2050 aufgrund von Antibiotikaresistenzen und weitere 169 Millionen Todesfälle, bei denen solche Erreger zumindest eine Rolle spielen könnten. Die Zahlen, die die University of Washington nun ein einer umfassenden Studie zu antimikrobiellen Wirkstoffen im Magazin Lancet veröffentlicht, sind erschütternd – und vor allem hausgemacht. Denn auch das macht die Studie deutlich: Der übermäßige und unsachgemäße Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin ist für die Zunahme von Resistenzen verantwortlich. Denn jene Bakterien, die den Antibiotikaeinsatz überleben, vermehren sich auch stärker.
Für ihre Studie werteten die Forscher 520 Millionen Datensätze im Computermodell aus, die zwischen 1990 und 2021 erhoben wurden. Auf dieser Basis entstand dann die Prognose für die kommenden Jahre. Die sei nötig, um idealerweise mit lebensrettenden Maßnahmen gegensteuern zu können, sagen die Wissenschaftler.
Ob die Prognose richtig ist, lässt sich allerdings nicht genau sagen, da Todesursachen in vielen Fällen nicht eindeutig zugeordnet werden. Diese Diskussion haben wir auch während der Corona-Pandemie in Form der Frage erlebt, ob eine Person mit oder an Corona verstorben ist. Ähnlich verhält es sich beim Keimen, die beispielsweise einen Krebspatienten befallen. In der Regel wird der Krebs als Todesursache angegeben. Die Studienautoren haben auch deshalb versucht, möglichst viele verschiedene Datenquellen wie beispielsweise Krankenhaus-Entlassungsdaten, Daten zu Todesursachen, Resistenzprofile einzelner Arzneimittel, Umfragen zum Antibiotika-Gebrauch und zahlreiche andere Quellen zu nutzen.
Nicht alles finster
Antibiotika sind allerdings nicht nur schlecht – auch in Zukunft nicht. Die Auswertung zeigt, dass durch eine bessere Behandlung schwerer Infektionen und einen verbesserten Zugang zu Antibiotika 92 Millionen Todesfälle zwischen 2025 und 2050 vermieden werden könnten.
Daraus schließen die Forscher, dass es bessere und vor allem breiter aufgestellte Strategien braucht, um das Risiko schwerer Infektionen zu senken. In Washington wirft man Impfstoffe, neue Medikamente, einen insgesamt besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung und einen effektiveren Einsatz von Antibiotika in den Raum.
In Wien fordert die dortige Ärztekammer mit Blick auf die Studie aus den USA den flächendeckenden Einsatz von sogenannten CRP-Schnelltests, die einen bakterielle Erkrankungen verlässlich vorab erkennen, womit eine wirkungsvolle Antibiotikatherapie eingeleitet werden könne. Gleichzeitig könne im Falle einer viralen Infektion eine Antibiotika-Behandlung ausgeschlossen und unmittelbar mit einer adäquaten Therapie begonnen werden. Die Mediziner im Nachbarland zeigen auf die Krankenkassen, die solche oder Tests auf Influenza und RSV noch immer nicht zahlen würden.
„Es ist höchste Zeit endlich zu handeln, denn die Infektionen werden rapide in die Höhe gehen, da sich das Leben wieder in die Innenräume verlagert. Leider weigert sich die Gesundheitskasse weiterhin, mit uns an den Verhandlungstisch zu treten“, sagt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin und Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte in der Ärztekammer für Wien.



