Ambulantisierung: Niedergelassene befürchten Mehraufwand

by | Oct 17, 2023

Anhoren

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Ad-hoc-Befragung der Stiftung Gesundheit zeigt: Jede zweite Praxis befürchtet Risiken und Nachteile durch geplante Klinikreform.

Eigentlich greift sie nicht direkt für den niedergelassenen Sektor des Gesundheitswesens, und doch fühlen sich fast 80 Prozent der Hausärzte, rund drei Viertel der Fachärzte und mehr als die Hälfte der Psychologischen Psychotherapeuten sowie ein Viertel der Zahnärzte von der geplanten Klinikreform betroffen – und zwar konkret von der Ambulantisierung bisher stationär erbrachter medizinischer Leistungen. Das ergab eine aktuelle Ad-hoc-Befragung der Stiftung Gesundheit, die zwischen dem 6. und 13. September 2023 online durchgeführt wurde.  

Sie sei vor allem ein Mehraufwand für die Niedergelassenen, wie 83,8 Prozent der Befragten befürchten, etwa weil Patienten bei Komplikationen nach der ambulanten Behandlung in der Klinik eher ihre vertraute Praxis aufsuchen könnten. Aber auch Risiken für Patienten durch kürzere Nachbeobachtungszeiten (67,1 Prozent) sowie eine schlechtere Ausbildung des Nachwuchses im Krankenhaus (57,1 Prozent) oder gar Schließungen von Krankenhäusern durch Verlagerung von Leistungen in den ambulanten Sektor (54,9 Prozent) gehören zu den Hauptsorgen der niedergelassenen Ärzte.  

Die Stimmen von Befragten, die die Stiftung-Gesundheit im Rahmen der Vorstellung der Ergebnisse auf ihrer Webseite veröffentlicht, zeigen, dass die Klinikreform auch bei den Niedergelassenen den Nerv in einer ohnehin angespannten Situation empfindlich trifft. Da heißt es zum Beispiel, dass die ambulante Versorgung aufgrund des Praxissterbens gar nicht möglich sein wird, da viele Praxen bereits jetzt Aufnahmestopp hätten. Eine weitere Sorge ist, dass die Menge an Patienten schon jetzt kaum mehr zu bewerkstelligen sei. Von Überlastung sprechen auch Stimmen aus dem psychotherapeutischen Bereich.  

Es werden jedoch durchaus auch Chancen mit der Reform verbunden, wenn auch von deutlich weniger Praxen und keine davon für die eigene Arbeit. Vor allem für die Patienten könnte es positive Auswirkungen haben, wenn Krankenhausaufenthalte vermieden und die Wege insgesamt kürzer seien, sagen 76,4 Prozent. Von einer Entlastung für die Kliniken sprechen 48,6 Prozent, da die sich mehr auf schwerere Fälle fokussieren können und dadurch weniger Personalengpässe hätten. 34 Prozent können sich insgesamt Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen vorstellen, 33,2 Prozent eine bessere Versorgung im ländlichen Raum.  

Prof. Dr. med. Dr. rer. pol. Konrad Obermann, Forschungsleiter der Stiftung-Gesundheit, fürchtet vor allem, dass eine konsequente Umsetzung durch die kleinstaatliche Planung auf Länderebene und die korporativen Strukturen der Selbstverwaltungen massiv behindert werden könnte: „Man kann eine Krankenhausreform nicht ohne die Niedergelassenen denken. Sie sind diejenigen, die zuweisen, die Patienten weiter versorgen, die auch ambulante Eingriffe vornehmen können und damit in Konkurrenz zu Krankenhäusern stehen. Eine schlüssige Planung muss deshalb eine Gesamtbetrachtung vornehmen und frühzeitig die niedergelassenen Haus- und Fachärzte einbinden.“ 

 

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