Alkoholkonsum ohne gesundheitliche Konsequenzen?

by | May 14, 2024

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Forscher der ETH Zürich haben ein Gel entwickelt, das Alkohol in harmlose Essigsäure umwandelt. Bei Mäusen konnte der Blutalkoholspiegel so um bis zu 50 Prozent reduziert werden.

 

Alkoholkonsum ohne Reue und vor allem ohne gesundheitliche Schäden? Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich haben ein Gel aus Molkenproteinfasern entwickelt, das Alkohol im Magen mit Hilfe einzelner Eisenatome in harmlose Essigsäure umwandelt, bevor er ins Blut gelangt. Im Versuch mit Mäusen konnte der Blutalkoholspiegel so um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Für eine Anwendung am Menschen seien aber noch weitere Tests nötig. Gleichwohl sind die Forscher so zuversichtlich, dass sie sich das Gel haben patentieren lassen.

Der große Vorteil des Gels: Es baut den Alkohol bereits im Magen-Darm-Trakt ab, bevor er in die Blutbahn gelangt und dort zu den bekannten gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt, wie Raffaele Mezzenga, Professor für Lebensmittel und weiche Materialien an der ETH Zürich, erklärt: „Das Gel verlagert den Alkoholabbau von der Leber in den Verdauungstrakt. Im Gegensatz zum Alkoholstoffwechsel in der Leber entsteht dabei aber nicht das schädliche Zwischenprodukt Acetaldehyd.“ Denn genau dieser giftige Acetaldehyd ist für viele Gesundheitsschäden verantwortlich, die durch übermäßigen Alkoholkonsum entstehen.

Genuss ja, Rausch nein

Die Anwendung stellen sich die Forscher oral und parallel zum Alkohol vor, um zu verhindern, dass der Blutalkohol steigt. Im Unterschied zu vielen am Markt erhältlichen Produkten könnte das Gel also nicht nur die Symptome des schädlichen Alkoholkonsums bekämpfen, sondern auch seine Ursachen. Das Gel ist aber nur wirksam, solange sich noch Alkohol im Magen-​Darm-Trakt befindet. „Es ist gesünder gar keinen Alkohol zu trinken. Das Gel könnte aber vor allem für Menschen interessant sein, die nicht ganz auf den Genuss verzichten möchten, aber ihren Körper nicht belasten wollen und nicht an der Wirkung des Alkohols interessiert sind“, hält Mezzenga fest.

Für die Herstellung des Gels verwendeten die Forschenden gewöhnliche Molkenproteine. Diese wurden mehrere Stunden gekocht, sodass sich daraus lange, dünne Fasern bildeten. Fügt man anschließend Salz und Wasser als Lösungsmittel hinzu, vernetzen sich die Fasern zu einem Gel. Für den Abbaus des Alkohols kommen dann noch Katalysatoren hinzu, vor allem Eisenatome. „Wir tauchen die Fasern quasi in ein Eisenbad, sodass sie wirksam mit dem Alkohol reagieren und ihn in Essigsäure verwandeln können“, erklärt ETH-​Forscherin Jiaqi Su, die Erstautorin der Studie. Um diese Reaktion im Magen auszulösen, sind zudem winzige Mengen an Wasserstoffperoxid nötig. Diese werden durch eine vorgelagerte Reaktion zwischen Glucose und Goldnanopartikel erzeugt. Der Vorteil von Gold als Katalysator für Wasserstoffperoxid: Das Edelmetall wird nicht verdaut wird und ist daher länger im Verdauungstrakt wirksam ist.

Im Tierversuch erfolgreich

Getestet wurde anschließend an Mäusen, die zehn Tage lang regelmäßig Alkohol erhielten. 30 Minuten nach der einmaligen Alkoholgabe senkte das Gel den Alkoholpegel der Mäuse um vierzig Prozent. Fünf Stunden nach Alkoholaufnahme war ihr Blutalkoholspiegel im Vergleich zur Kontrollgruppe sogar um 56 Prozent gesunken. Dabei sammelte sich bei diesen Mäusen das schädliche Acetaldehyd weniger an und die Stressreaktionen der Leber wurden deutlich gemildert, was sich in besseren Blutwerten widerspiegelte.

Bei den Mäusen, die zehn Tage lang Alkohol erhielten, konnten die Forschenden neben einem niedrigeren Alkoholpegel zudem eine anhaltende, therapeutische Wirkung des Gels nachweisen: Die Mäuse, die zusätzlich zum Alkohol täglich das Gel bekamen, zeigten einen deutlich geringeren Gewichtsverlust, weniger Leberschäden und damit einen besseren Fettstoffwechsel in der Leber sowie bessere Blutwerte. Auch andere Organe wie die Milz oder der Darm sowie das Gewebe der Mäuse wiesen deutlich weniger durch Alkohol verursachte Schäden auf.

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