Aktionstag Frauengesundheit: Noch viel zu tun

by | May 28, 2024

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Heute ist internationaler Aktionstag für Frauengesundheit und auch Deutscher Diversity Tag – zwei Themen, die in der Medizin noch deutlich mehr Raum einnehmen können und müssen.

 

Ob nun internationaler Aktionstag für Frauengesundheit oder 12. Deutscher Diversity Tag – in jedem Fall ist heute ein guter Tag, einmal über so wichtige Themen wie Gleichheit, Gleichbehandlung und Gerechtigkeit zu sprechen. Denn nicht immer sind die Unterschiede klar und nicht immer bekommen gerade Frauen im Gesundheitswesen die Behandlung, die sie benötigen.

Gleichheit, respektive eine Gleichbehandlung der Geschlechter ist in vielen Bereichen – etwa bei der Bezahlung – definitiv erstrebenswert. In der Medizin ist sie es sowohl mit Blick auf Frauen als auch Diversity allgemein, etwa mit Blick auf die ethnische Herkunft, nicht. So viel weiß die Medizin. Frauen reagieren anders auf Medikamente, haben anderen Symptome. Und aus den USA weiß man, dass beispielsweise auch People of Colour anders auf Therapien ansprechen als der Standard-US-Amerikaner, weiß und männlich, für den diese ursprünglich mal entwickelt wurden.

Frauengesundheit selten im Fokus

Obwohl die Medizin all das weiß, steht es um die Gesundheitsgerechtigkeit – englisch Equity – nach wie vor schlecht. Das unterstreicht der Global Women’s Health Index, der im Januar zum Weltwirtschaftsforum in Davos präsentiert wurde. Nach wie vor haben Milliarden von Frauen keinen Zugang zu nötigen Gesundheitstest wie etwa Krebsvorsorge, ihre emotionale Gesundheit verschlechtert sich und fast eine Milliarde Frauen auf der Welt leben täglich mit körperlichen Schmerzen. Die Macher des Reports vom Medizintechnikunternehmen Hologic sprechen von einer Krise der Frauengesundheit.

Im Index für die Frauengesundheit, den Hologic auf Basis einer Befragung von knapp 150.000 Frauen und Männern in 142 Ländern und Regionen erstellt hat, belegt Deutschland mit 67 von möglichen 100 Punkten den vierten Platz. Die vorderen drei Plätze werden von Taiwan, Kuwait und Österreich belegt. Nach Deutschland folgen die Schweiz, Israel, Japan, Dänemark, Polen und die Tschechische Republik. Insgesamt zeigt der Index eine klare Unterteilung westlicher Industrienationen auf den vorderen Rängen und Schwellenländern weit hinten. Frauengesundheit ist also immer auch ein wirtschaftliches, wobei auch hier die Macher des Reports betonen, dass die Wirtschaftskraft eines Landes nicht automatisch für mehr Gesundheitsgerechtigkeit sorgt.

Deutschland hat Nachholbedarf

Die 67 Punkte Deutschlands beim Hologic Index zeigen: Auch hierzulande gibt es noch Luft nach oben. Und zahlreiche Verbände nehmen den Frauengesundheitstag zum Anlass, darauf aufmerksam zu machen. Ein großes und wichtiges Thema ist beispielsweise die Menstruation. Hier zeigt eine aktuelle Umfrage von Bilendi im Auftrag des Pharmakonzerns Sanofi, dass 45 Prozent der 40- bis 49-Jährigen und sogar 60 Prozent der 30- bis 35-Jährigne regelmäßig unter Periodenschmerzen leiden. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 70 Prozent. Und Plan International Deutschland kritisiert auch den Umgang mit Menstruationsartikeln im Land. Die dortige Forderung: Es muss einen Zugang zu kostenfreien Menstruationsartikeln an allen weiterführenden Schulen und Bildungseinrichtungen in Deutschland geben.

Das Deutsche Institut für Menschenrechte macht indes noch auf ein ganz anderes Problem für Frauen in Deutschland aufmerksam: Jede dritte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Gewalt. Und trotz der Verpflichtung aus Artikel 25 der Istanbul-Konvention gäbe es noch immer keine flächendeckende Akutversorgung für Betroffene solch sexualisierter Gewalt im Land. Genau hier müsse nachgebessert werden, etwa mit einer für alle zugänglichen, umfassenden und traumasensiblen medizinischen und psychologischen Versorgung sowie einer vertraulichen Spurensicherung.

„Die Regelungen zur vertraulichen Spurensicherung im Sozialgesetzbuch Fünf waren ein erster wichtiger Schritt. Seit 2020 ist die vertrauliche Spurensicherung als Kassenleistung kostenfrei, sofern die Länder entsprechende Verträge mit den Versicherungen schließen. Allerdings haben bisher nur wenige Bundesländer solche Verträge abgeschlossen“, erklärt Müserref Tanriverdi, Leiterin der Berichterstattungsstelle geschlechtsspezifische Gewalt. Laut Istanbul-Konvention müsse der Zugang zu Unterstützungsleistungen aber unabhängig von der Bereitschaft der Betroffenen, eine Anzeige zu erstatten, gewährleistet werden. „Leider sind auch wichtige medizinische Leistungen wie Notfallverhütungsmittel und HIV-Screenings nicht kostenfrei und gehören bisher nicht zur Standardversorgung”, bedauert Tanriverdi.

Prävention ein großes Thema

Dass Deutschland gerade in Punkto Prävention noch großen Nachholbedarf hat, zeigt auch der Global Women’s Health Index. Denn trotz des insgesamt guten Abschneidens bekommt Deutschland beim Thema Prävention gerade einmal 36 von möglichen 100 Punkten. Die Krebsvorsorge bei Frauen (37 Punkte) schneidet hier genauso schlecht ab wie Diabetesvorsorge (33 Prozent) oder Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten (13 Punkte). Und noch etwas lässt aufhorchen: In Deutschland gaben 24 Prozent der befragten Frauen an, unter gesundheitlichen Problemen zu leiden, die sie daran hindern, an Aktivitäten teilzunehmen, die sie normalerweise ausüben würden. 27 Prozent gaben an, am Tag vor der Befragung Schmerzen gehabt zu haben.

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