Adipositas-Diagnostik neu denken

von | Jan. 17, 2025

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Die internationale Kommission für klinische Adipositas (Commission on Clinical Obesity) schlägt eine umfassende Neugestaltung der Adipositas-Diagnostik vor.

 

Adipositas hat sich zu einer echten Volkskrankheit entwickelt. Weltweit sind eine Milliarden Menschen stark übergewichtet, in Deutschland trifft das bereits auf jeden vierten Erwachsenen zu. Die Folge sind Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Arthrose, bestimmte Krebsarten und damit immense Belastungen für die Gesundheitssysteme.

Diagnostiziert wird Adipositas derzeit hauptsächlich über den sogenannten Body-Mas-Index (BMI). Der sei auf individueller Ebene jedoch kein zuverlässiges Maß für Gesundheit oder Krankheit, betont nun die internationale Kommission für klinische Adipositas (Commission on Clinical Obesity). Das interdisziplinär aus weltweit hochrangigen Experten besetzte Gremium empfiehlt daher, neben dem BMI auch Messungen des Taillenumfangs oder direkte Fettmessungen zur Erkennung von Fettleibigkeit zu verwenden, um das Risiko einer Fehlklassifizierung zu verringern.

Zwei neue diagnostische Kategorie

Die Diagnostik-Vorschläge wurden genau wie zwei neue diagnostische Kategorien gestern auf einer Veranstaltung von The Lancet Diabetes & Endocrinology in London vorgestellt. Zukünftig soll zwischen klinischer und präklinischer Adipositas unterschieden werden. Dabei wird klinische Adipositas als chronische Krankheit definiert, die mit einer anhaltenden Organfunktionsstörung aufgrund des starken Überwichts einhergeht. Präklinische Adipositas ist mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko verbunden, jedoch keine anhaltende Erkrankung.

„Adipositas nur als Risikofaktor und niemals als Krankheit zu betrachten, kann Menschen, die allein aufgrund von Adipositas gesundheitlich krank sind, zu Unrecht den Zugang zu zeitkritischer Versorgung verweigern. Auf der anderen Seite führt eine pauschale Definition von Adipositas als Krankheit zu Überdiagnosen und ungerechtfertigtem Einsatz von Medikamenten und chirurgischen Eingriffen, mit potenziellem Schaden für den Einzelnen und schwindelerregenden Kosten für die Gesellschaft“, sagt der Vorsitzende der Kommission, Prof. Francesco Rubino vom King’s College London.

Dem stimmt auch Rubinos deutscher Kollege Prof. Stefan Bornstein, Mitglied der Kommission und Direktor des Zentrums für Innere Medizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden sowie Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) zu: „Eine gründliche und ausgewogene Definition von Adipositas ist längst überfällig, um die medizinischen und sozioökonomischen Herausforderungen anzugehen.“ Der Vorschlag der Kommission biete den Gesundheitssystemen die Möglichkeit, eine klinisch relevante Definition von Adipositas sowie genauere Methoden für ihre Diagnose zu verabschieden. Dies könne helfen, die Ressourcen effizienter zu nutzen und den Menschen gezielter zu helfen.

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