ADHS ein evolutionärer Vorteil?

by | Feb 23, 2024

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Ein Experiment mit einem Onlinespiel bestätigt erste Vermutung, dass ADHS gerade für Jäger und Sammler, aber auch Nomaden evolutionäre Vorteile gehabt haben könnte.

 

Eine Forschergruppe der University of Pennsylvania hat die neurologische Entwicklungsstörung ADHS einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet. Ihre Herangehensweise: Hätte ADHS nur negative Auswirkungen, müsste man annehmen, dass im Laufe der Evolution gegen die Störung selektiert würde. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Zwischen 2009 und 2014 stieg die Häufigkeit von ADHS-Diagnosen in Deutschland bei 0- bis 17-Jährigen von fünf auf 6,1 Prozent (mit einem Maximum von 13,9 Prozent bei 9-jährigen Jungen) und bei 18- bis 69-Jährigen von 0,2 Prozent auf 0,4 Prozent an.

An der University of Pennsylvania fragte man sich daher, ob ADHS nicht auch Vorteile für unsere Vorfahren gehabt haben könnte. Um Antworten zu finden, bat man eine Gruppe von Erwachsenen, an einem Onlinespiel  teilzunehmen. Innerhalb von acht Minuten mussten die Probanden so viele Beeren wie möglich sammeln. Entweder, sie blieben an einem Strauch, wo die Anzahl der Beeren dann aber logischerweise abnahm, oder aber sie wechselten die Sträucher, was allerdings immer etwas Zeit kostete. Etwa die Hälfte der Probanden wies hohe Werte auf der ADHS-Skala auf. Und genau diese Probanden hielten sich nur kurze Zeit an einem Buch auf, bevor sie weiterzogen. Dadurch erzielten sie mehr Punkte im Computerspiel.

Solange unsere Vorfahren also auf „Entdeckungen“ angewiesen waren, hatte ADHS offensichtlich einen Vorteil. Da für das Experiment jedoch nur eine Selbsteinschätzung der Probanden erfolgte, weisen die Forscher auf die begrenzte Aussagekraft hin. Der Aufbau soll in einem nächsten Schritt mit sicher diagnostizierten ADHS-Probanden durchgeführt werden. Die Ergebnisse des aktuellen Experiments wurden in der Fachzeitschrift The Royal Society veröffentlicht.

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