Das Lehigh Valley Health Network zahlt in einem Vergleich 65 Millionen US-Dollar nach einem Cyberangriff 2023. Die Sammelklage hatten betroffene Patienten und Mitarbeiter eingereicht.
Für die betroffenen Patienten war es sicherlich der Supergau: Cyberkriminelle hatten sich Zugang zu ihren persönlichen und medizinischen Daten verschafft, die während ihrer Behandlung in einem der Häuser, Praxen und Reha-Zentren des Lehigh Valley Health Networks erhoben wurden – darunter Nacktfotos.
Und dennoch dürfte der Fall auch in den USA nun für Aufregung sorgen. Denn eben dieses Lehigh Valley Health Network einigt sich jetzt auf einen 65-Millionen-Dollar-Vergleich mit den betroffenen Patienten und Mitarbeitern, die direkt nach dem Angriff Sammelklage eingereicht hatten.
Zum einen sind 65 Millionen US-Dollar eine stolze Summe. Zum anderen wird hier offensichtlich eine Präzedenz geschaffen. Denn in der Klage wird argumentiert, dass die Verantwortlichen „wissentlich, rücksichtslos und vorsätzlich“ die Entscheidung getroffen haben, den Lösegeldforderungen der Angreifer nicht nachzukommen und damit die Veröffentlichung der persönlichen Daten und Nacktbilder im Internet in Kauf genommen haben. Diese Argumentation ist vor allem deshalb so interessant, weil eben jenes Verhalten, also kein Lösegeld zu zahlen, die Empfehlung des amerikanischen FBI ist. Für die Kläger war indes klar: Die Gesundheitsorganisation hat ihre finanziellen Interessen über die Belange der Patienten gestellt.
Noch mehr Motivation für Angreifer?
Darüber, dass Cyberangriffe in den USA mittlerweile auch die Juristen auf den Plan rufen, hat diese Redaktion bereits berichtet. Die Frage ist nach dem aktuellen Vergleich allerdings, welches Signal die Geldsumme an die Kriminellen sendet.
Interessant ist auch, dass sowohl bei der Suche nach Geschädigten des Angriffs auf The New Jewish Home, über die wir berichtet haben, als auch hinter den Angriff auf Change Healthcare sowie der Ransomware-Attacke auf das Lehigh Valley Health Network immer ALPHV, besser bekannt als BlackCat, stecken. Die Gruppe scheint sich ohnehin auf Cyberangriffe auf akademische und Einrichtungen des Gesundheitswesens in den USA zu spezialisieren und die 65 Millionen US-Dollar unterstreichen nun noch einmal eindrucksvoll warum. In Zukunft werden sich die Verantwortlichen wohl sehr genau überlegen, was sie teurer zu stehen kommt: die Lösegeldzahlung oder die potenzielle anschließende Schadenersatzklage.
Sehr viele Patienten betroffen
Wobei auch noch einmal betont werden muss, dass im Fall von Lehigh sehr viele Patienten betroffen waren. Die Anwälte sprechen von insgesamt 135.000 Patienten und Mitarbeitern, die sich an der Sammelklage beteiligt hätten, sowie von mehr als 600 Personen, deren Nacktfotos veröffentlich worden sein. Die Hackergruppe veröffentlichte diese private Bilder von Brustkrebspatientinnen auf ihrer Datenleckseite, die nicht nur medizinische Fragebögen und Pässe, sondern auch andere sensible Informationen wie Führerscheinnummern, Sozialversicherungsnummern, medizinische Diagnosen, Behandlungsdetails und Laborergebnisse enthielten.
Auch deshalb sei laut der Anwaltskanzlei Saltz Mongeluzzi Bendesky der aktuelle Vergleich der größte seiner Art, der in Fällen von Datenschutzverletzungen im Gesundheitswesen und Ransomware pro Patient erzielt wurde.
Der Court of Common Pleas hat für den 15. November 2024 nun noch eine abschließende Anhörung anberaumt, um zu prüfen, ob der Vergleich endgültig genehmigt werden sollte. Stimmt das Gericht zu, könnte das Geld bereits Anfang nächsten Jahres ausgezahlt werden.
Zum Lehigh Valley Health Network gehören insgesamt 15 Krankenhausstandorte sowie zahlreiche Gesundheitszentren, Arztpraxen, Reha-Einrichtungen, ExpressCARE-Standorte und anderen ambulanten Pflegeeinrichtungen in zehn Landkreisen im Osten Pennsylvanias. Unsere Gesundheitsfachkräfte bieten jeden Tag außergewöhnliche Pflege. Seit August dieses Jahres gehört das Netzwerk zur Thomas Jefferson University Hospitals, Inc., besser bekannt als Jefferson Health, dessen Vorzeigehaus das Thomas Jefferson University Hospital in Philadelphia ist.



