Im Januar 2025 starten drei neue Zentren in Karlsruhe, Furtwangen und Ulm im 3R-Netzwerk. Ihr Hauptziel: Ersatzmethoden für Tierversuche zu entwickeln.
Replace, reduce, refine – Baden-Württemberg zählt ab Januar 2025 drei neue Zentren in Karlsruhe, Furtwangen und Ulm zu seinem 3R-Netzwerk. Ziel der 2020 ins Leben gerufenen Initiative ist es, Tierversuche zu ersetzen, zu reduzieren und die Bedingungen bei unvermeidbaren Tierversuchen zu verbessern.
„Unser 3R-Netzwerk verankert den Tierschutz nachhaltig in der baden-württembergischen Forschungslandschaft; Ersatzmethoden für Tierversuche werden durch vielfältige Forschungs- und Weiterbildungsaktivitäten noch bekannter“, sagte Wissenschaftsministerin Petra Olschowski heute in Stuttgart. Und auch über den Tierschutz hinaus können im 3R-Netzwerk durch den Fokus auf digitale sowie KI-gestützte Ansätze Innovationen entstehen, ist Olschowski überzeugt. Deshalb unterstützen das Land Baden-Württemberg die Zusammenarbeit von Hochschulen und Forschungseinrichtungen im 3R-Netzwerk weiterhin nach Kräften. Heißt konkret: Seit 2020 hat das Wissenschaftsministerium das Netzwerk mit rund 6,8 Millionen Euro unterstützt, zu dem bislang fünf Zentren in Heidelberg, Konstanz, Mannheim, Stuttgart und Tübingen gehören.
Hightech für die Forschung
Im Rahmen des Projekts wurden beispielsweise schon humane Organ-on-chip-Modelle oder Computersimulationen für die Krebsforschung oder Medikamententestung entwickelt. Solche Innovationen und zielgerichtete Weiterbildungsangebote heben die biomedizinische Forschung auf die nächste Ebene, heißt es vom Ministerium. Jetzt werde das Netzwerk um Standorte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), an der Hochschule Furtwangen und an der Universität Ulm erweitert. Diese neuen 3R-Zentren fördert das Wissenschaftsministerium für zunächst drei Jahre mit insgesamt 750.000 Euro.
Baden-Württemberg zeichne sich durch eine hohe Dichte an biomedizinischen Forschungseinrichtungen und pharmazeutisch-chemischer Industrie aus. Deshalb komme dem Land eine besondere Verantwortung beim Schutz von Versuchstieren zu. Weiterhin geht es im 3R-Netzwerk um die Verbesserung biomedizinischer Methoden, um eine bessere Übertragbarkeit von Forschungsergebnissen auf den Menschen sowie einen schnelleren Transfer in die klinische Anwendung. In diesem Sinne wird aus dem 3R- zunehmend ein 6R-Prinzip. Die Erweiterung umfasst eine statistisch robuste Versuchsplanung, die Registrierung aller Versuche und eine Veröffentlichung von Negativergebnissen (robustness, registration, reporting). Eines der Auswahlkriterien für die neuen Standorte im wettbewerblichen Verfahren waren Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen im 3R- beziehungsweise 6R-Bereich.
Unterschiedliche Zentren, unterschiedliche Forschungsschwerpunkte
Am Zentrum 3ROCKIT in Karlsruhe werden vor allem digitale Alternativen zum Tierversuch erforscht – darunter digitale Zwillinge für die Entwicklung von Gesundheitstechnologien. Ein automatisiertes, selbstoptimierendes Labor soll den Weg zu Ersatz- und Ergänzungsmethoden verkürzen. Dazu kommen ein weltweit abrufbares Erfassungssystem für Tierversuche und Alternativen sowie eine digitale Lernplattform. Insgesamt soll 3ROCKIT den Transfer auf den Markt beschleunigen sowie das Potenzial von Künstlicher Intelligenz und digitalen Methoden ausschöpfen und in das 3R-Netzwerk einbringen.
Wissenschaftliche Schwerpunkte des neuen 3R-Zentrums an der Hochschule Furtwangen sind hingegen die Entwicklung von 3D-Gewebemodellen im Labor und im Computermodell sowie deren Transfer in die Praxis. Ein vielversprechendes Beispiel ist ein Haut- und Knochenmodell. Das neue „3R Entwicklungs- und Transferzentrum für 3D-Gewebemodelle in vitro und in silico“ stellt darüber hinaus die Aus- und Weiterbildung im Bereich 3R/6R in den Mittelpunkt. Außerdem sollen Service- und Beratungsangebote für die lokale Industrie etabliert werden.
Das iR-Centre der Universität Ulm baut auf langjähriger Erfahrung bei der Optimierung unvermeidbarer Tierversuche (Refinement) auf. Im neuen 3R-Zentrum soll ein Refinement-Labor mit einem Fokus auf der Tumor- und Traumaforschung entstehen. Weitere Schwerpunkte in Ulm sind die Weiterentwicklung der Stammzell- und Organoid-Technologie für die personalisierte Medizin. Um Tierversuche zu reduzieren, entsteht eine Biobank zum Austausch von tierischem Gewebe.


