Das auf Gentest spezialisierte und finanziell angeschlagene US-Unternehmen 23andMe versucht sich mit GLP-1-Medikamente neue lukrative Geschäftsfelder zu erschließen.
Eigentlich war die Vision von Anne Wojcicki eine andere. Aber nun braucht das auf Gentests spezialisierte US-Unternehmen 23andMe schnell neue Einnahmequellen. Und was liegt da näher, als auf den lukrativen Abnehmspritzen-Zug aufzuspringen? Ab Ende des Monats sollen Kunden über die zu 23andMe gehörenden Telemedizin-Plattform Lemonaid Health Rezepte für GLP-1-Preperate bekommen können. „Das zusätzliche Gewichtsmanagement für unsere Kunden passt direkt in unsere Strategie, Dienstleistungen anzubieten, die die Gesundheit des Einzelnen durch präventive Maßnahmen verbessern“, sagte Wojcicki auf der Investorenkonferenz, auf der sie die Q1-Zahlen des Unternehmens präsentierte.
Ganz so „strategisch“ scheint die Erweiterung des Angebots allerdings nicht zu sein. Denn eigentlich hatte 23andMe Lemonaid 2021 erworben – und immerhin 400 Millionen US-Dollar bezahlt –, um Kunden auf Basis der hauseigenen Gendatenbank „wirklich personalisierte Medizin“ anzubieten. Und ganz über Bord werfen will man diesen Ansatz wohl auch nicht. Denn 23andMe plant laut Wojcicki eine Studie, in der die eigenen Verbraucherdaten genutzt werden soll, um die genetischen Mechanismen im Zusammenhang mit GLP-1-Medikamenten näher zu beleuchten. Auch potenzielle Nebenwirkungen sollen untersucht werden.
Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass der Umsatzrückgang im ersten Quartal von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum den finanziellen Druck auf 23andMe noch einmal deutlich erhöht. Die Aktie des Unternehmens strauchelt schon länger. Im November letzten Jahres gab es eine Aufforderung der Nasdaq, das Listing einzustellen, weil die Aktie für weniger als einen US-Dollar gehandelt wurde. Ein Jahr hat 23andMe nun Zeit, die Nasdaq-Standards wieder zu erfüllen, sonst droht zwangsläufig das Delisting. Angeschlagen ist das Unternehmen vor allem nach einem Hackerangriff, bei dem Millionen von Datensätzen erbeutet wurden.
Auch die Therapeutika-Forschung, die auf den Gendaten basieren sollte, wird laut einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC geschlossen und die 30 Mitarbeiter entlassen. Die Aussicht, sich einen Teil des Multimilliarden-Dollar-Abnehmspritzengeschäfts zu erschließen, kommt für 23andMe als gerade recht.



